Keller Funnel und No-Touch-Technik: wie das Silikonimplantat möglichst berührungsfrei in die Tasche gelangt

Wie ein Brustimplantat in die Tasche kommt

Über Hersteller, Form und Größe eines Brustimplantats wird in der Beratung ausführlich gesprochen. Wie das Implantat im Operationssaal eigentlich eingesetzt wird, bleibt dagegen oft eine Randnotiz. Dabei hat genau dieser Moment Einfluss darauf, wie stark die Implantathülle beansprucht wird, wie lang der Hautschnitt sein muss und wie viele Keime von der Haut in die Implantattasche gelangen können. Zwei Begriffe tauchen dabei immer häufiger auf: die No-Touch-Technik und der Keller Funnel, ein Einführtrichter für Silikonimplantate. Dieser Beitrag erklärt, was hinter beiden steckt, was sie leisten können und welche Fragen Sie dazu stellen sollten.

Warum der Hautkontakt beim Einsetzen eine Rolle spielt

Auch nach gründlicher Desinfektion leben in den Poren, Haarfollikeln und im Milchgangsystem der Brust Bakterien. Die meisten davon sind harmlose Hautbewohner. Gelangen sie beim Einsetzen jedoch auf die Implantatoberfläche, können sie dort einen dünnen Belag bilden, den sogenannten Biofilm. Ein solcher Biofilm wird in der Fachliteratur als einer von mehreren möglichen Faktoren bei der Entstehung einer Kapselfibrose diskutiert. Die Kapselfibrose ist eine Verhärtung der Bindegewebskapsel, die der Körper um jedes Implantat bildet.

Daraus ergibt sich ein praktisches Ziel: Das Implantat soll zwischen Verpackung und Implantattasche möglichst wenig mit Haut, Handschuhen oder Brustwarze in Berührung kommen. Genau das beschreibt der Begriff No-Touch-Technik. Er steht für keine einzelne Methode, sondern für eine Reihe von Maßnahmen, die im Operationssaal kombiniert werden.

Bausteine der No-Touch-Technik

  • Späte Entnahme aus der Verpackung: Das sterile Implantat wird erst geöffnet, wenn die Tasche vollständig vorbereitet ist, damit es nicht offen auf dem Instrumententisch liegt.
  • Handschuhwechsel: Das Operationsteam wechselt unmittelbar vor dem Einsetzen die Handschuhe.
  • Abdecken der Brustwarze: Selbstklebende Folien über den Brustwarzen sollen verhindern, dass Keime aus den Milchgängen in das Operationsfeld gelangen.
  • Spülung der Tasche: Viele Operateure spülen die Implantattasche vor dem Einsetzen mit einer antiseptischen oder antibiotischen Lösung. Welche Lösung verwendet wird, unterscheidet sich zwischen Praxen und hängt auch davon ab, was der Hersteller des Implantats zulässt.
  • Einführhilfe: Ein Trichter oder eine Hülle, durch die das Implantat in die Tasche gleitet, ohne die Haut am Schnittrand zu berühren.

Die Bausteine sind Teil umfassenderer Empfehlungen zur Infektionsvorbeugung, die in der plastischen Chirurgie seit Jahren diskutiert werden. Welche davon in Ihrer Operation eingesetzt werden, sollte Ihnen die Praxis auf Nachfrage konkret beantworten können.

Silikonimplantat in steriler Verpackung auf dem Instrumententisch vor dem Einsetzen

Der Keller Funnel: Aufbau und Funktion

Der Keller Funnel ist ein Einmalprodukt aus flexiblem Kunststoff in Trichterform. Die Innenseite ist mit einer Beschichtung versehen, die mit steriler Flüssigkeit aktiviert wird und dann sehr glatt ist. Das Implantat wird in das weite Ende gelegt. Die Spitze des Trichters wird passend zum Schnitt zugeschnitten und an die Öffnung der Tasche gesetzt. Durch gleichmäßigen Druck auf den Trichter gleitet das Implantat hindurch und entfaltet sich in der Tasche.

Damit werden zwei Ziele gleichzeitig verfolgt. Erstens berührt das Implantat auf dem Weg weder Finger noch den Hautrand. Zweitens verteilt sich der Druck beim Einsetzen gleichmäßiger über die Hülle, als wenn das Implantat mit den Fingern durch einen engen Schnitt geschoben wird. Beim manuellen Einsetzen entstehen punktuelle Kräfte, die Hersteller in ihren Gebrauchsanweisungen ausdrücklich vermeiden lassen wollen, weil eine vorgeschädigte Hülle später eher reißen kann. Wie die Hülle aufgebaut ist und welche Belastungen sie aushalten muss, beschreibt der Beitrag zur Produktsicherheit von Implantathüllen.

Auswirkung auf den Hautschnitt

Mit einem Trichter lassen sich Implantate oft durch einen etwas kürzeren Schnitt einsetzen als von Hand. Das gilt vor allem für runde Implantate mit weichem Gel. Bei sehr formstabilen oder großen Implantaten ist der Spielraum geringer, weil sich das Gel weniger zusammendrücken lässt. Ein kürzerer Schnitt ist kein Selbstzweck: Die Narbe in der Unterbrustfalte ist bei guter Heilung ohnehin unauffällig, und ein zu kleiner Zugang erschwert die exakte Präparation der Tasche. Die Schnittlänge sollte sich deshalb nach dem Implantat und der sicheren Operation richten, nicht umgekehrt.

Was die Datenlage sagt

Einführtrichter werden seit mehr als zehn Jahren verwendet. Mehrere Veröffentlichungen berichten über niedrigere Raten von Kapselfibrose bei Einsatz eines Trichters im Vergleich zu früheren Operationen ohne Trichter. Diese Arbeiten sind überwiegend rückblickende Auswertungen einzelner Zentren. Solche Studien können nicht sauber trennen, ob der Trichter selbst den Unterschied macht oder ob parallel eingeführte Maßnahmen wie Taschenspülung, Handschuhwechsel und eine insgesamt sorgfältigere Technik wirken. Große randomisierte Studien, die den Trichter allein prüfen, fehlen bislang.

Für Sie als Patientin heißt das: Der Trichter ist ein sinnvolles Hilfsmittel innerhalb einer sorgfältigen Technik, aber kein Garant gegen Kapselfibrose. Die wichtigsten Faktoren bleiben eine blutungsarme Präparation, eine passende Implantatwahl und eine saubere Nachsorge. Wie sich eine Kapselfibrose bemerkbar macht und was eine Wechseloperation bedeutet, lesen Sie im Beitrag zur Lebensdauer von Brustimplantaten.

Einführtrichter aus Kunststoff neben einem runden Silikonimplantat

Implantat und Einführhilfe müssen zusammenpassen

Nicht jedes Implantat ist für jede Einführhilfe freigegeben. Hersteller legen in ihren Gebrauchsanweisungen fest, wie ihr Produkt eingesetzt werden darf, und manche geben Hinweise zu Trichtern oder zu Spüllösungen, die mit der Hülle in Kontakt kommen dürfen. Einige Hersteller bieten eigene Einführhilfen an, die auf ihre Implantatlinie abgestimmt sind. Wird ein Implantat entgegen der Gebrauchsanweisung eingesetzt, kann das Folgen für Herstellergarantien haben. Das ist ein Punkt, den Sie in der Beratung durchaus ansprechen dürfen.

FrageWarum sie wichtig ist
Verwenden Sie eine Einführhilfe, und welche?Zeigt, wie die Praxis mit Hautkontakt und Hüllenbelastung umgeht
Ist mein Implantat dafür vom Hersteller freigegeben?Betrifft die sachgerechte Anwendung und mögliche Garantiefragen
Welche weiteren Maßnahmen gegen Keime gehören zu Ihrem Standard?Der Trichter wirkt nur im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen
Wie lang wird mein Schnitt voraussichtlich?Hängt von Implantatgröße, Gel und Einführtechnik ab
Wird die Einführhilfe im OP-Bericht dokumentiert?Hilft bei späteren Eingriffen und bei Rückfragen

Implantatwahl und Operationstechnik gemeinsam planen

Ein gut gewähltes Implantat entfaltet seinen Nutzen nur, wenn es schonend eingesetzt wird. In unserer Beratung zur Brustvergrößerung besprechen wir deshalb neben Größe, Form und Hersteller auch, wie das Implantat in die Tasche kommt, welche Maßnahmen zur Keimreduktion wir vorsehen und welche Schnittlänge bei Ihrem Implantat realistisch ist. Sie bekommen die Angaben zu Ihrem Implantat schriftlich, einschließlich der Hinweise des Herstellers. Mehr zu Modellen und Materialien finden Sie in der Rubrik Implantat-Typen und Marken. Für einen Beratungstermin nutzen Sie gern unsere Kontaktseite.

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